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Familienrat
 

Was ist ein Familienrat?
Seit 2012 arbeitet der Landkreis Holzminden mit dem in Neuseeland als „Family Group Conference“ entwickelten Verfahren „Familienrat“. Ziel dieses Verfahrens ist es, Verwandte, Freunde und Nachbarn als Unterstützer für Familien zu gewinnen, wenn diese Schwierigkeiten bei der Erziehung ihrer Kinder haben. Viele Eltern trauen sich nicht, andere Menschen um Hilfe zu bitten, wenn sie sich überfordert fühlen, dabei gibt es im engen Umfeld der Familien häufig Menschen, die gern bereit sind, Aufgaben zu übernehmen und den Eltern somit Entlastung zu bieten.
Die speziell dafür ausgebildeten ehrenamtlichen FamilienratskoordinatorInnen (sie erhalten eine Aufwandsentschädigung) helfen den Eltern, diese potentiellen UnterstützerInnen zu finden und anzusprechen. Außerdem helfen sie bei der Organisation des eigentlichen Familienrates.
Das 2012 gestartete Modellprojekt wurde bis 2015 von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem 9. Bundesnetzwerktreffen „Familienrat“, das 2015 in Holzminden stattfand präsentiert. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: vielen Familien und ihren Kindern konnten nachhaltige Unterstützung und unbürokratische Hilfe angeboten werden. Fast alle Eltern und Kinder/Jugendliche profitierten von den Ergebnissen des Familienrates.
Das Holzmindener Projekt genießt deutschlandweit und auch in Österreich und der Schweiz große Anerkennung, was sich auch in der Tatsache niederschlägt, dass Holzminden das 9. Bundesnetzwerktreffen 2015, mit Gästen aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg ausrichten durfte.

Seit Beginn des Jahres 2016 gibt es zusätzlich das Projekt „Nachbarschaftsrat für Flüchtlingsfamilien", das sich stark an das Verfahren des Familienrates anlehnt.
Ziel dieses Projektes ist es, Familien mit (kleinen) Kindern, die im Landkreis Holzminden einen Wohnraum zugewiesen bekommen haben, so schnell wie möglich in ihre neue Gemeinde zu integrieren. Die FamilienratskoordinatorInnen klären zunächst im Gespräch mit den Flüchtlingsfamilien, welche Hilfen benötigt werden, um schnell Kontakte zu knüpfen und die Entwicklung der Kinder zu fördern. Sie Sprechen dann Nachbarn, Kommunalpolitiker, Vertreter von Vereinen, Kita-Leiterinnen usw. an und laden sie zum „Nachbarschaftsrat“ ein. Bei diesem Treffen wird auf einem Protokoll festgehalten, wer welche Hilfe übernehmen kann. Auch die Flüchtlingsfamilie wird gebeten darzulegen, wie das Gemeindeleben bereichern möchte. Die zahlreichen Angebote hilfsbereiter BürgerInnen können mit dem „Nachbarschaftsrat“ koordiniert und strukturiert werden, Parallel- und Konkurrenzangebote können somit minimiert werden.

Merkmale eines Familienrates
Ein „Familienrat“ unterstützt Familien, die vor wichtigen und manchmal weit reichenden Entscheidungen stehen. Mit Hilfe von Verwandten, Nachbarn und Freunden werden eigene Lösungen entwickelt und entschieden, welche Hilfen die Familie benötigt, selbst organisieren kann oder annehmen will.
In der Vorbereitung eines Familienrates ist es wichtig, einen möglichst großen Kreis von Menschen zu beteiligen. Je größer der Kreis ist, umso mehr Verständnis und Potential für gute Lösungen sind vorhanden und umso mehr mögliche Hilfe und Unterstützung kann es geben. Ein Familienrat soll einen guten Rahmen für die Zusammenarbeit aller Beteiligten bieten. Der/die Koordinator/in trifft hierzu gemeinsam mit der Familie in der Vorbereitung alle wichtigen Absprachen.

Merkmale eines Familienrates sind:
• Es ist ein Verfahren zur Entscheidungsfindung. Der Familienrat ist erst beendet, wenn ein für alle Beteiligten akzeptabler Plan formuliert ist.
• Mittelpunkt des Familienrates ist immer das Kind, der/die Jugendliche.
• Es geht um gute Lösungen für die Zukunft, nicht um Schwierigkeiten in der Vergangenheit.
• Die Fragestellung für den Familienrat ist offen. Sie ist allen Beteiligten klar und es gibt noch keine festgelegte Lösung.
• Der Familienrat gehört der Familie und ihrem Netzwerk: Ihre Leute, ihre Kultur, ihre Bräuche, ihr Raum, ihre Zeit, ihr Essen und Trinken, ihr Plan.
• Der/die Koordinator/in ist unabhängig, neutral und hat kein persönliches Interesse an einem bestimmten Ergebnis.
• Die Familie hat ein Recht auf umfassende Information, private Familienzeit zur Diskussion und die uneingeschränkte Zustimmung zum Plan, sofern er sicher und rechtmäßig ist.


Alle Eltern die einen „Familienrat“ durchführen möchten können sich an das Familienratsbüro beim Landkreis Holzminden wenden und dieses kostenlose Angebot wahrnehmen.

Das Familienratsbüro wird geleitet von:
Petra Müller (0160-96486342)
Annette Sienk (0160-96470947)
familienrat.holzminden@gmail.com







Tagungsraum des Netzwerktreffens

Das war das 9. Netzwerktreffen „Familienrat“ in Holzminden

Am 8. und 9. September 2015 fand das neunte Netzwerktreffen „Familienrat“ in der niedersächsischen Kreisstadt Holzminden statt. Fast 100 Gäste aus ganz Deutschland, aus Österreich und Luxemburg, dazu am ersten Tagungstag zahlreiche MitarbeiterInnen des Holzmindener Jugendamtes bzw. von Freien Trägern aus dem Landkreis Holzminden, erlebten in den Räumen der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) zwei stimmungsvolle und interessante Tage.

Landrätin Angela Schürzeberg begrüßt die TeilnehmerInnen des Netzwerktreffens
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Landrätin Angela Schürzeberg begrüßt die TeilnehmerInnen des Netzwerktreffens

Begrüßt wurden die TeilnehmerInnen des Netzwerktreffens mit dem Kurzfilm " Summertime in Holzminden ", den 2014 eine junge Auszubildende aus dem Landkreis Holzminden gedreht hat.
Irmgard Stille und Tobias Frank präsentieren die Entwicklung des Projektes Familienrat unter Beteiligung der wichtigsten Akteure
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Irmgard Stille und Tobias Frank präsentieren die Entwicklung des Projektes Familienrat unter Beteiligung der wichtigsten Akteure


Nach den Grußworten durch die Landrätin Angela Schürzeberg und die Dekanin der HAWK Prof. Dr. Alexandra Engel präsentierten Irmgard Stille und Tobias Frank die Entwicklung des Modellprojekts "Familienrat beim Landkreis Holzminden", das beide vor ca. 4 Jahren initiiert haben. Alle Akteure und Akteurinnen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sich das Projekt zu einem Erfolgsmodell entwickeln konnte, kamen im Rahmen dieser Präsentation zu Wort und konnten ihre Motivation für die Unterstützung dieses Modells schildern. Besonders beeindruckend waren die Schilderungen der beiden Mütter, die berichteten, was sich in ihren Familien durch den Familienrat geändert hat.
Mit Spannung wurde die Präsentation der Forschungsergebnisse des Modellprojekts „Familienrat im Landkreis Holzminden“ durch die Professorinnen Dr. Leonie Wagner (HAWK Holzminden), Dr. Barbara Schäuble (ASH Berlin) erwartet, die über drei Jahre das Projekt wissenschaftlich begleitet haben. Dabei wurden die Projektleitung, die ASD-Mitarbeiterinnen, die Koordinatorinnen sowie einige Eltern und Jugendliche zu den Erwartungen und Erfahrungen mit dem Familienrat befragt,einige von ihnen auch mehr als ein Jahr nach dem Familienrat. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung finden Sie in den nächsten Tagen in der Tagungsdokumentation.
Die Professorinnen Dr. Leonie Wagner und Dr. Barbara Schäuble präsentieren ihre Begleitforschung
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Die Professorinnen Dr. Leonie Wagner und Dr. Barbara Schäuble präsentieren ihre Begleitforschung



Nach der Mittagspause folgten zwei 90-minütige Workshopblöcke mit jeweils 5 Workshops. Viele Referenten erklärten sich bereit, ihre speziellen Erfahrungen zu ganz spezifischen Themen vorzustellen oder leiteten eine Ideenwerkstatt, wo erörtert wurde, wie Familienrat in ganz speziellen Kontexten eingesetzt werden kann (z.B. im Jobcenter oder in der Straffälligenhilfe). Unter dem Link Workshops finden Sie alle Beschreibungen der Workshops, sowie gegebenenfalls Präsentationen oder Ergebnisprotokolle.
In 10 Workshops wurden Erfahrungen ausgetauscht bzw. Ideen entwickelt
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In 10 Workshops wurden Erfahrungen ausgetauscht bzw. Ideen entwickelt



Abgeschlossen wurde der erste Tag des Netzwerktreffens mit einer Fahrt auf einem Schiff der Weserflotte. Bei herrlichem Sonnenschein startete die "Holzminden" dem Sonnenuntergang entgegen. Das italienische Buffet und die Musiker von "Thauern und Trio" sorgten für eine tolle Atmosphäre. Nach dem Essen wurde der Austragungsort für das 10. Netzwerktreffen gesucht. Auch wenn sich nur Berlin um die Ausrichtung beworben hat, war diese Bewerbung sehr sehenswert! Für die "Nimmermüden" sorgte dann noch DJ Wolfgang für tolle Stimmung auf der Tanzfläche, und das auch ohne Helene Fischer und Andrea Berg.
Auf dem Weserschiff "Holzminden" dem Sonnenuntergang entgegen
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Auf dem Weserschiff "Holzminden" dem Sonnenuntergang entgegen


Der zweite Tag stand voll im Zeichen der Netzwerkarbeit: alle Regionalgruppen stellten sich und ihre Entwicklungen seit dem letzten Netzwerktreffen in St.Pölten vor. Alle Informationen dazu finden Sie unter dem Link Regionalgruppen.
Bevor zum Abschluss des Netzwerktreffens das Strategieteam "Quo vadis Familienrat" neueste Entwicklungen und Tendenzen verkündete berichtete Heike Hör vom europäischen Netzwerktreffen 2014 in Italien und warb für das diesjährige Treffen in Cardiff (Wales).

Wir bedanken uns bei allen Helfern und Helferinnen des diesjährigen Netzwerktreffens und hoffen, dass es bei allen TeilnehmerInnen in guter Erinnerung bleibt. Und vielleicht kommt ja der Eine oder die Andere mal wieder ins schöne Weserbergland...


Wir freuen uns auf das 10. Netzwerktreffen 2016 in Berlin!


Irmgard Stille und Tobias Frank (Projektleitung)
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Irmgard Stille und Tobias Frank (Projektleitung)










Tagungsdokumentation








Impressionen vom Netzwerktreffen 2015 - (Bildergalerie)


http://www.familienrat-fgc.de/(Homepage des Netzwerkes Familienrat)


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