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Bildungs- und Kulturangebote
Bildung
Bildung hat traditionell im Landkreis Holzminden einen hohen Stellenwert. Mit der 1569 gegründeten Lateinschule im Kloster Amelungsborn gab es schon früh eine Schule, die Absolventen einen Universitätsbesuch ermöglichte. Auf diese Schule geht auch das heutige Holzmindener Campe-Gymnasium zurück.
Mit der Einführung einer allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1649 im ehemaligen Weser-District des Braunschweigisch-Wolfenbüttelschen Fürstentums gehörte der Landkreis Holzminden mit zu den Vorreitern, was die Volksbildung betraf – auch wenn die Durchsetzung vermutlich lange Zeit sehr zu wünschen übriggelassen haben dürfte.
Heute gibt es im Landkreis Holzminden neben dem Gymnasium, der Förderschule und den Berufsbildenden Schulen noch sechs weiterführende Schulen und 18 Grundschulen, die alle auf sehr hohem Niveau Wissen vermitteln. Zusammenlegungen und/oder Schließungen werden allerdings aufgrund des demographischen Wandels zukünftig kaum vermeidbar sein. Das Leistungsangebot wird dadurch aber nicht leiden.
Auch die Weiterbildung hat im Landkreis Holzminden einen festen attraktiven Standort. Die Kreisvolkshochschule (KVHS) bietet eine Vielzahl an Kursen an, die die beruflichen Fähigkeiten und Perspektiven der Teilnehmenden erweitern. Die KVHS ist jedes Jahr mit rund 22.000 durchgeführten Unterrichtsstunden und 4.100 Teilnehmenden im Landkreis präsent. Sie beschäftigt derzeit über 40 hauptamtliche Mitarbeitende verschiedener Berufe sowie ca. 170 fachlich und erwachsenenpädagogisch kompetente nebenberufliche Dozenten. Das Angebot eröffnet speziell für Arbeitgebende aus der Region immer stärker die Möglichkeit, ihre Fachkräfte auf der Höhe der Zeit zu halten.
Auch eine Hochschule ist im Landkreis zu finden: Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst – kurz HAWK – führt in der Kreisstadt selbst die akademische Ausbildung der schon 1830 gegründeten Baugewerkschule fort. Rund 1.300 Studenten können hier in gemütlicher Kleinstadtatmosphäre mit kurzen Wegen zu den Lehrenden in den Bereichen Bauen und Soziale Arbeit ihren Bachelor oder Master machen.
Kultur
Der Landkreis Holzminden begeistert mit einem facettenreichen Kulturangebot, das Geschichte, Kunst und lebendige Traditionen auf einzigartige Weise vereint. Besucher können hier in spannende Geschichten eintauchen, beeindruckende Kunst- und Bauwerke bewundern und faszinierende Veranstaltungen erleben.
Im prachtvollen Weserrenaissanceschloss Bevern schlägt das kulturelle Herz des Landkreises. Das Kulturzentrum im Schloss vereint historische Architektur mit vielfältigen Veranstaltungen – von Konzerten bis zu Theateraufführungen – und zieht Kulturinteressierte aus nah und fern an.
Im Schloss Fürstenberg befindet sich die zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands. Sie wurde 1747 von Johan Georg von Langen im Auftrag Herzog Carls I von Braunschweig-Wolfenbüttel gegründet, um den Weser-District wirtschaftlich und strukturell voranzubringen. Die Porzellanmanufaktur ist ein Juwel der Handwerkskunst, das mit meisterhaften Porzellan-Kreationen und spannenden Einblicken in die Produktion begeistert. Nicht weniger faszinierend und ebenfalls von von Langen gegründet ist die Glashütte in Grünenplan, wo traditionelles Handwerk lebendig bleibt und Besuchende des Glasmuseums viel über die filigrane Kunst der Glasherstellung lernen können.
Märchenhaft wiederum wird es in Polle: Hier lädt die sagenumwobene Aschenputtel-Burg zu Entdeckungen rund um die berühmte Märchenfigur ein und zieht Familien wie Kulturinteressierte gleichermaßen in ihren Bann.
In Bodenwerder findet man die Geburtsstadt des weltweit berühmten Barons von Münchhausen, dessen abenteuerlich-humorvollen Geschichten noch zu seinen Lebzeiten Ende des 18. Jahrhunderts erstmals veröffentlicht wurden und bis heute ein großes Publikum faszinieren. Ein Museum in Bodenwerder erinnert an die sagenhafte Gestalt des Lügenbarons.
Berühmtester Autor der Region ist der 1831 in Eschershausen geborene und in Holzminden aufgewachsenen Schriftsteller Wilhelm Raabe. Raabe ist in Deutschland wohl der erste Schriftsteller gewesen, der ausschließlich von der Veröffentlichung seiner Romane und Erzählungen gelebt hat. Er gilt neben Theodor Fontane und Theodor Storm als größter realistischer Erzähler des späten 19. Jahrhunderts und hat in seinen Werken vielfach seine alte Heimat im Landkreis Holzminden als Kulisse verewigt.
Weit über die Grenzen des Landkreises hinaus hat sich auch der Reformpädagoge und Kinderbuchautor Joachim Heinrich Campe einen Namen gemacht. Der gebürtige Deenser Campe hat sich in ganz Norddeutschland um die Weiterentwicklung allgemeiner Schulen und neue pädagogische Ansätze bemüht. Mit seinem 1779 verfassten Jugendroman „Robinson der Jüngere“ gilt er als der „Erfinder“ der Jugendliteratur.
Eine herausragende Persönlichkeit der Region ist auch Paula Tobias, die als erste praktizierende Landärztin im Braunschweiger Land während des 1. Weltkrieges die medizinische Versorgung in der Region Kreiensen übernahm. Anstatt eine Stelle an der Göttinger Kinderklinik anzunehmen, zog es Paula Tobias dann nach Delligsen, wo sie eine Landarztpraxis übernahm und ehrenamtlich eine Mütterberatung einrichtete. 1928 zog sie dann mit ihrer Familie nach Bevern. Während der Zeit des Nationalsozialismus sah sie sich als Jüdin immer stärkerer Ausgrenzung und schließlich einem Berufsverbot ausgesetzt, weswegen sie 1935 in die USA emigrierte. Ihr Wirken prägt die Erinnerungskultur des Landkreises und inspiriert bis heute: So gibt es in Bevern in Gedenken an Paula Tobias eine Reihe an kulturtouristischen Angeboten (FrauenORTE Niedersachsen: Paula Tobias - Bevern).
Ein besonderes Highlight ist das alle zwei Jahre stattfindende internationale Straßentheater-Festival in Holzminden. Straßenkünstler aus aller Welt verwandeln die Innenstadt in eine lebendige Bühne voller Kreativität, Energie und Emotionen – ein Spektakel für Jung und Alt.
In die Welt der Düfte und Aromen entführt das erst im Jahr 2024 eröffnete Sensoria, das nicht allein einen guten Einblick in die Industriegeschichte des heutigen DAX-Unternehmens Symrise gibt, sondern mehr noch eine faszinierende Berührung mit unseren sonst eher vernachlässigten Geruchs- und Geschmackssinnen ermöglicht.
Der Landkreis Holzminden verbindet Geschichte und Kultur mit lebendiger Gegenwart. Alleine deshalb ist es sehr spannend, die Region auch kulturell zu erkunden und sich davon verzaubern zu lassen.